Filterblase: Ein Hallo von der anderen Seite

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Lässt sich das Entstehen von Filterblasen verhindern?

(Foto: imago/Science Photo Library)

Im Netz lebt jeder in seiner eigenen Welt. Anderslautende Meinungen und Nachrichten dringen kaum noch durch. Das wollen etliche Programmierer nun ändern.

In selbsternannten aufgeklärten Kreisen auf Facebook herrscht seit Anfang November Selbstbezichtigung darüber, wie man dermaßen daneben liegen konnte über den Ausgang der US-Wahl. Wie man das Entstehen der Filterblase überhaupt verhindern kann, erklären sie nicht. Dabei gibt es da durchaus ein paar Ideen. César Hidalgo, Professor am MIT Media Lab schlägt etwa einen „Flip-Feed-Button“ für Facebook vor. Das System würde erkennen, wenn die eigene Weltsicht zu hermetisch abgeriegelt ist und gegensätzliche Seiten zur Vernetzung vorschlagen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert ist gering. Zum einen, weil die Menschen das Gefühl nicht mögen, dass die Dinge, die sie sehen, manipuliert werden. Vor allem aber, weil klar ist, dass die Nutzer am meisten Klicks und damit Werbeeinnahmen generieren, wenn sie mit Thesen konfrontiert sind, denen sie eh schon zustimmen. Es liegt also im wirtschaftlichen Interesse von Facebook, dass die Dinge so bleiben wie sie sind.

Escape your Bubble

Da es also nicht die Konzerne selbst sind, die für mehr Meinungspluralität in den sozialen Netzwerken sorgen werden, will das jetzt eine Reihe von Programmierern übernehmen. Zum Beispiel die Macher von Escape your Bubble, einer Erweiterung für Googles Chrome-Browser. Hier kann man wählen, über welche Seite des politischen Spektrums man mehr erfahren will. Hat man die Erweiterung installiert, postet sie automatisch dementsprechende Artikel im eigenen Facebook-Feed.

Damit man auch ja unterscheiden kann, was zum ursprünglichen Nachrichtenstrom gehört und was nachträglich eingefügt wurde, stattet Escape your Bubble die ausgewählten Einträge mit einem signalrotfarbenen Rahmen aus. Wem das schon zu invasiv ist, der kann sich etwa den Newsletter von echochamber.club abonnieren. Der schickt einmal pro Woche eine Mail in die Postfächer von „progressiven Großstädtern“, um ihnen zu helfen, „unterschiedliche Sichtweisen zu verstehen“.

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Am ambitioniertesten ist vielleicht ein Projekt namens hifromtheotherside.com, das Trump- und Clinton-Unterstützer in der echten Welt zusammenbringen will. Wenn man jemanden „von der anderen Seite“ kennenlernen will, kann man sich via Facebook anmelden. Hat das System einen Treffer ermittelt, verschickt es eine E-Mail an beide Partner mit den Kontaktdaten. Der Rest bleibt den Teilnehmern überlassen. Es braucht dafür nur eine Grundvoraussetzung, die sich nicht algorithmisch herstellen lässt: Die Bereitschaft, miteinander zu reden.

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