Mama werden, Frau bleiben: Meine 10 Tipps für den After-Baby-Body und die Beziehung

Wir waren schon seit fünf Jahren ein Paar, als ich schwanger wurde. Bisher war der Fokus in unserer Beziehung völlig klar: Wir. Als Paar. Als Mann und Frau. Doch mit der Schwangerschaft begann ich mich als Frau zu verändern, äußerlich wie innerlich. Spätestens mit der Geburt war diese Veränderung nicht mehr aufzuhalten. Wie ich mich trotzdem bemühe, nicht nur Mama, sondern auch Frau zu sein.

Neuer Alltag als Mutter

Bis zum Ende der Schwangerschaft hatte ich 17 kg zugenommen. Unser letztes Liebesabenteuer lag viele Wochen zurück und mein Hauptbemühen darauf, mich auf die kommende Zeit vorzubereiten.

Ganz normal, werden einige einwerfen, das geht doch vorbei.

Doch nach der Geburt wurde vieles noch schwieriger: Unser kleiner Sohn war ein sehr bedürfnisstarkes Baby. In den ersten sechs Lebensmonaten konnte ich ihn keine zwei Minuten ablegen, ohne dass er sich in dieser Zeit von einem leichten Meckern über bitterliches Weinen zu wütendem Gebrüll steigerte.

Aus diesem Grund trug ich ihn fast ausschließlich eng am Körper bzw. stillte ihn, teilweise alle 15-30 Minuten. Nebenbei versuchte ich, den Haushalt im Griff zu haben, gesund zu kochen und ausreichend zu essen. Auch nachts schlief er schlecht, wachte teils alle 30 Minuten auf und wollte gestillt werden.

Wie ich diese Situation gemeistert habe? Richtig, als dauergestresster Mutter-Zombie im Schlabberlook! Denn für ausgiebige Körperpflege, geschweige denn Make-Up oder hübsche Kleidung ohne Spuckeflecken fehlten einfach Zeit und Energie. Mein Fokus lag auf den essentiellen Dingen: den Bedürfnissen des Babys sowie Schlaf und Ernährung meinerseits.

Liebespaar? Fehlanzeige!

Die Partnerschaft musste bei mir in dieser Zeit genauso hinten anstehen wie Fitness und Styling. Für mich und meinen Mann war das zunächst in Ordnung, schließlich waren wir der Meinung, dass diese Phase schnell vorübergehen würde. Sie sollte fast zwei Jahre dauern.

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Allerdings wurde es schleichend immer ein kleinwenig besser, sodass ich nach etwa 14 Monaten, als unser Sohn ein paar Stunden am Tag in die Kita ging, das Gefühl hatte, endlich wieder ein wenig Luft zum Atmen zu haben.

Wenig später fiel mir zum ersten Mal auf, wie wenig von uns als Paar noch übrig war. Wir waren Eltern, ja. Sehr gute Eltern sogar, in meinen Augen. Ansonsten wohnten wir zusammen, schliefen nachts nebeneinander und gaben uns zu Begrüßung und Abschied ein Küsschen.

Viel mehr passierte nicht. Schnell wurde mir klar, dass ich mich an der eigenen Nase packen musste. Längst war ich nicht mehr rund um die Uhr mit unserem Kind beschäftigt. Doch die Gewohnheit, sich so wenig um mein Äußeres und unsere Beziehung zu kümmern, hatte sich irgendwie eingeschlichen. Ich beschloss also, das zu ändern.

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5 Tipps für den „After-Baby-Body“

Bezüglich meines Körpers war der Weg zum Glück nicht so weit. Denn immerhin hier hatte ich großes Glück und einige Punkte schon in den Jahren zuvor beachtet:

1.) In der Schwangerschaft nicht für zwei essen

„Jetzt musst du ja für zwei essen!“ – Diesen Satz hörte ich in der Schwangerschaft nicht nur einmal. Dabei ist er etwas missverständlich. Ja, ich muss für zwei essen. Aber doch nicht wie zwei! Denn während das Baby natürlich Nährstoffe benötigt, um zu wachsen, ist der zusätzliche Energiebedarf wirklich nicht sonderlich hoch und nur im letzten Drittel der Schwangerschaft spürbar.

Heißt konkret: Eine Schwangerschaft ist keine Entschuldigung, sich jetzt von Eis und Burger zu ernähren sondern vielmehr ein Grund, viel Vitamine und Mineralstoffe zu sich zu nehmen. Dementsprechend habe ich in meiner Schwangerschaft Unmengen an Obst und Salat verzehrt – und nur zwischendurch mal eine Pizza oder Schokolade.

Dass das die richtige Strategie war, zeigte sich wenige Tage nach meiner Entbindung: Bis auf drei Kilogramm war das Zusatzgewicht im Handumdrehen verschwunden.

2.) Sport in der Schwangerschaft

Auch mein Kugelbauch war quasi über Nacht weg. Da hat mein Bindegewebe wirklich ganze Arbeit geleistet. Allerdings habe ich mir das, laut meiner Hebamme, auch zu guten Teilen selbst zuzuschreiben. Denn schon vor und auch während der Schwangerschaft habe ich konsequent jeden Morgen mindestens 20 Minuten Yoga-Übungen gemacht.

Wenn man ein paar Kleinigkeiten beachtet spricht auch absolut nichts gegen Sport in der Schwangerschaft. Im Gegenteil sind die Auswirkungen überwiegend positiv. Und hilfreich für eine schnelle Rückbildung ist Sport in der Schwangerschaft genauso wie für eine Grundfitness danach.

3.) Rückbildungskurs ernst nehmen

Trotzdem sah mein Bauch natürlich nicht aus wie vorher. Und fühlte sich vor allem für mich nicht so an. An diese Schwabbel-Zone wollte ich meinen Mann darum auf keinen Fall heranlassen. Erst der Rückbildungskurs nach etwa 6 Wochen hat wieder für ein wenig mehr Form gesorgt – und das unterstützt enorm im Selbstwertgefühl.

Für mich war es sehr schwierig, ernsthaft am Kurs teilzunehmen, weil mein Baby sich, wie gesagt, nicht wirklich ablegen ließ. Nach ein paar Versuchen habe ich mir deshalb eine Freundin als Babysitterin besorgt und fleißig mitgemacht. Nicht zuletzt, weil eine gute Beckenbodenmuskulatur auch mit verantwortlich ist für guten Sex!

4) Sport trotz Kind

Auch jetzt, fast zwei Jahre nach der Geburt, sind mir meine täglichen Yoga-Einheiten und sportliche Betätigung wichtig. Denn irgendwann kam auch bei unserem Kind der Punkt, an dem es längere Zeit alleine schläft oder sich selbst beschäftigt. Natürlich kann ich nicht unbedingt einen Halbmarathon laufen oder genau dieselbe Art von Sport machen, wie früher, aber eine kurze 15-Minuten-Einheit pro Tag war irgendwann auch wieder drin.

Das einzige, was mich daran lange gehindert hat, war, wie bei so vielen von uns, der gute alte innere Schweinehund. Und immerhin lassen sich Baby und Kleinkind auch gut in die Übungen integrieren. Wenn dir dazu nichts einfällt, einfach mal „Rückbildung mit Kind“ oder „Baby Yoga“ auf Youtube suchen.

5.) Stillen und gesund essen

Ich weiß, nicht jede Mutter kann und will stillen. Und auch nicht bei allen funktioniert der Trick. Bei mir aber schon. Ich habe durch das Stillen allmählich auch die restlichen meiner Schwangerschafts-Kilos verloren und mein Energiebedarf war deutlich erhöht. Ich hatte mindestens fünf Mahlzeiten am Tag – allerdings habe ich darauf geachtet, dass diese möglichst gesund sind. Trotz Baby-Stress.

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Im Idealfall hatte ich gar nicht viel Süßigkeiten und Fastfood zu Hause, so kam ich nicht in Versuchung. Stattdessen besorgten ich oder mein Mann gesunde Snacks wie Obst und Gemüse, Nüsse, oder Joghurt. So handhaben wir das übrigens auch heute noch, wo ich den Still-Bonus nicht mehr habe.

5 Tipps, sich wieder mehr als Frau zu fühlen

Nun ist ein schlanker After-Baby-Body natürlich nicht alles. Es hilft, um sich weniger wie ein übermüdetes, ausgelaugtes Muttertier, sondern mehr wie eine begehrenswerte Frau zu fühlen. Aber er ist eben auch nicht alles. Auch der Kopf muss mitspielen.

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1.) Zeit für mich

Wenn mein Mann ein paar Stunden unseren Kleinen genommen hat und ich nicht gerade zum Umfallen müde war, habe ich anfangs vor allem eins gemacht: Haushalt. Seitdem ich verstanden habe, dass ich vielleicht manchmal wichtiger bin als ein sauberer Küchenboden, versuche ich geziehlt, Zeit für mich einzuplanen. Um mir mal die Haare zu tönen oder die Augenbrauen zu zupfen. Um ein Bad zu nehmen oder einfach nur im Internet zu surfen.

2.) Schöne (Still)mode

Auch als stillende Mama kann ich große Unterschiede machen. Während ich anfangs vor allem funktionale Liebestöter-Still-BHs trug, habe ich irgendwann in Unterwäsche investiert, die nicht nur funktional ist, sondern auch hübsch. Ist zugegeben nicht einfach zu finden, aber möglich. Die trug ich dann nicht nur zu besonderen Anlässen, sondern auch einfach für mich. Für das Gefühl, eine schöne Frau zu sein.

3.) Wellness

Mein Sohn war 11 Monate alt, als mich mein Mann an meinem Geburtstag in die Sauna schickte. 4 Stunden lang gab es nur mich, Wasser, Wärme und Entspannung. Seitdem wiederhole ich solche Auszeiten selten, aber regelmäßig. Auch mal mit Freundinnen oder meiner Mama.

4.) Paarzeit schaffen

Seit es unser Kind wieder zulässt, versuchen wir, wenigstens einmal im Monat bewusst Paarzeit zu schaffen, auch wenn das hauptsächlich Abends zu Hause ist, zu der ich mir bewusst die Haare mache und dem Schlabberlook entfliehe. Wir suchen entweder gemeinsam einen Film aus, den wir beide schon länger sehen wollten, oder lassen die Geräte komplett aus und besprechen mal wieder in Ruhe, was uns auf dem Herzen liegt. Wie früher.

5.) Den inneren Schweinehund überwinden

Als Eltern eine funktionierende Beziehung zu führen, funktioniert nicht von alleine. Zumindest bei uns nicht. Wir müssen dafür auch aktiv werden. Und manchmal scheint es so viel verlockender, einfach sinnlos aufs Smartphone zu starren und Likes für Facebook-Beiträge zu vergeben, als sich bewusst mit dem Partner auseinanderzusetzen.

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„Morgen ist bestimmt ein besserer Zeitpunkt.“ Das dachte ich dann oft. Viel zu oft. Deshalb versuche ich, auf diese innere Bequemlichkeit weniger oft zu hören und stattdessen das Handy oder den Laptop auszumachen. Oder gemeinsam eine Serie zu schauen. Oder etwas gemeinsam zu essen.

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Abschließend bleibt mir nur zu sagen: Mein Körper war vor der Schwangerschaft nicht perfekt und wird es danach auch nicht sein. Nicht jede Frau hat Glück, ein gutes Bindegewebe zu haben oder schnell abnehmen zu können. Dafür müssen wir uns nicht schämen. Doch jede Mutter hat die Möglichkeit, in ihrem Rahmen das Beste daraus zu machen.

Sich um ihren Körper und ihre Beziehung zu bemühen. Oder dem Problem mit Akzeptanz und Selbstliebe begegnen. Auch das kann ein gelungener Umgang mit dem After-Baby-Body sein.

Auch meine Beziehung war und ist nicht immer perfekt. Aber ich arbeite jeden Tag daran, dass sie das bleibt, was ich mir von einem Zusammenleben wünsche.

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Source: Huffpost

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