Ab welchem Alter sollten Kinder ein Smartphone besitzen? Das raten Experten

  • Schon Zweitklässler werden gemobbt, wenn sie kein Smartphone besitzen
  • Aber Experten sind sich uneinig, ob Kinder schon Smartphones nutzen sollten
  • Medienpädagogen sagen: Ja, aber nur mit Einschränkungen

Viele Kleinkinder können inzwischen ein Smartphone oder Tablet mit ihren Patsche-Händchen besser bedienen als so mancher Erwachsene. Denn die meisten Kinder wachsen heute im Gegensatz zu älteren Generationen mit den Geräten auf. Doch: Das hat auch negative Folgen.

Grundschullehrer und Eltern erzählen, dass Kinder schon in der zweiten Klasse gemobbt werden, wenn sie kein Smartphone besitzen. Grundschüler haben bereits WhatsApp-Gruppen, in denen sie sich über Hausaufgaben und Lehrer austauschen.

Viele Eltern sind deshalb hin- und hergerissen. Entweder kaufen sie ihrem kleinen Kind ein Smartphone oder sie riskieren, dass es zum Außenseiter wird.

Aber sollten Eltern ihrem Kind, das gerade erst lesen und schreiben gelernt hat – oder vielleicht noch nicht einmal das – wirklich schon ein Smartphone schenken?

Experten einig: Für Kleinkinder ist das Smartphone Tabu

Medienpädagogen sind sich vor allem in einer Sache einig: Kinder unter drei Jahren sollten kein Smartphone besitzen.

„Kinder unter drei Jahren brauchen gar keine Bildschirme“, sagte der Medienpädagoge Matthias Sannmann der HuffPost. „Kindergehirne verarbeiten Gesehenes ganz anders als erwachsene. Wenn sie zu viel vor einem Bildschirm sitzen, kann es sein, dass sie Schlafstörungen entwickeln und sich schlechter konzentrieren können.“

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Das sieht auch die Medienpädagogin Claudia Lampert vom Hans-Bredow-Institut in Hamburg so. „Die Smartphone-Nutzung ist in den ersten Lebensjahren unwichtig“, sagte sie der HuffPost. „Entscheidend ist, Kindern ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen. Das bezieht sich auf die körperliche, geistige und soziale Entwicklung, das Smartphone ist dabei zweitrangig.“

Sannmann ist jedoch der Meinung, dass Kinder nach dem dritten Lebensjahr langsam, vorsichtig und unter Aufsicht der Eltern an die Smartphones herangeführt werden können.

Ein Medienpädagoge warnt vor verfrühter Smartphone-Nutzung

Günter Steppich, Referent für Jugendmedienschutz am Hessischen Kultusministerium, ist anderer Meinung.

Er findet, dass auch Grundschüler und junge Teenager kein Smartphone besitzen sollten. In Grundschulen verteilt er Elternbriefe, in denen er vor den Gefahren des Smartphones warnt.

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„Ich sehe für den Besitz von Smartphones bei Kindern unter 14 Jahren kein einziges überzeugendes Argument, aber zahlreiche dagegen“, schreibt er in dem Brief an die Eltern.

„In meiner Arbeit für das Staatliche Schulamt und das Hessische Kultusministerium habe ich seit Jahren alle Hände voll mit digitaler Schadensbegrenzung zu tun, insbesondere in Fällen von entgleisten Nacktfotos, Onlinemobbing per WhatsApp und Facebook, pädophilen Übergriffen in Chats sowie jugendgefährdenden Inhalten wie Pornografie und Gewaltvideos“, warnt der Fachberater für Jugendmedienschutz.

Sannmann ist neben seiner Arbeit in der Medienpädagogik auch selbst als Grundschullehrer tätig und kennt die Risiken, wenn Kinder Smartphones nutzen. Ein striktes Verbot hält er dennoch für falsch. Damit, befürchtet Sannmann, könne man sein Kind schnell zum Außenseiter machen.

Sannmann hält ein komplettes Verbot für falsch

Eine genaue Empfehlung, ab wann Kinder Smartphones nutzen sollten, will der Fachmann aber nicht abgeben. Denn das sei immer auch abhängig vom Umfeld.

So gebe es allein in Hamburg Viertel, in denen alle Kinder schon in der ersten Klasse ein Smartphone hätten und andere, in denen die Kinder erst in der fünften Klasse eines bekämen.

Für unentschlossene Eltern hat Sannmann einen Rat: „Eltern, die ihrem Kind noch kein Smartphone schenken wollten, könnten den Kindern zum Beispiel ihres ausleihen“, sagt er.

„Dadurch könnten diese zumindest an so etwas wie einem WhatsApp-Klassenchat teilnehmen, einen verantwortungsbewussten Umgang lernen und den Eltern das Handy danach wieder zurückgeben. Das ist ein Kompromiss.“

Außerdem rät der Medienpädagoge dazu, auf einem Elternabend über das Thema zu sprechen.

Eltern sollten vor allem offen und interessiert sein

Das Wichtigste aber, das Eltern tun könnten, sei: Interesse zeigen.

Wenn ein Kind vermehrt ein Smartphone nutzt oder nutzen will, sollten Eltern sich nicht darüber aufregen oder es verbieten, sondern stattdessen das Gespräch suchen, rät Sannmann.

„Sie sollten sich erkundigen, was ihr Kind so sehr an dem Smartphone begeistert, oder was ihm vielleicht auch Angst macht. Durch das gemeinsame Interesse achten Eltern mehr darauf, was ihre Kinder sehen und spielen – und ob es überhaupt geeignet ist.“

Außerdem spricht er einen weiteren wichtigen Punkt an: „Eltern sollten selbst ein Vorbild sein und nicht ständig nur am Smartphone hängen.“

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Übergehen sollten Eltern das Thema auf keinen Fall. „Smartphones gehören zu unserer Gesellschaft und sind nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken. Es ist nur wichtig, dass die Kinder damit richtig umzugehen lernen“, sagt Sannmann.

Seine eigenen Kinder im Alter von vier und fünf Jahren führt der Experte nun langsam mit spielerischen Lese-Apps an das Smartphone heran. Dabei hat der Experte bisher nur ein Problem festgestellt: Es fehlt seiner Meinung nach an genügend ansprechenden Angeboten für Kinder.

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(lk)


Source: Huffpost

Ein Gedanke zu “Ab welchem Alter sollten Kinder ein Smartphone besitzen? Das raten Experten

  1. Die Behauptung/Befürchtung, Kinder würden schon in der Grundschule zu Außenseitern und gemobbt, wenn sie kein Smartphone haben, ist ebenso absurd wie unbegründet. Auch auf weiterführende Schulen trifft das nicht zu. Ausgrenzung und Mobbing hatten schon immer ganz andere Ursachen als Statussymbole, und man kann Mobbing auch nicht beenden, indem man ein paar hundert Euro für ein Smartphone ausgibt und meint, man könne dem Kind damit Anerkennung kaufen, ein völliger absurder Gedanke. Die Kinder benutzen dieses Argument allerdings als Druckmittel gegenüber ihren Eltern, das war auch früher schon so, da ging es um Markenklamotten etc. Wer sein Kind vor Ausgrenzung und Mobbing schützen will, muss es so erziehen, dass es stark und selbstbewusst wird, und nicht der Herde hinterher läuft. Da sieht man nämlich nur Hinteteile vor sich, keine erstrebenswerte Perspektive, wenn Sie mich fragen…

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